Apotheken und Parapharmazien in Frankreich

Drastische Veränderungen im Apotheken-Sektor in Frankreich

typical pharmacy in France
Foto: M. Klaas
Apotheke in Paris

April 2020, Maria Klaas – Viele Medzinprodukte werden im Unterschied zu Deutschland in Frankreich von Apotheken bzw. Parapharmazien verkauft.

Hier gilt es insbesondere für Medizintechnikunternehmen aus dem Ausland in den nächsten Jahren diese zwei Marktsegmente genau zu beobachten, da drastische Veränderungen, auch initiiert von den Behörden, vorgesehen sind.

Rund 21.000 Apotheken verteilen sich über ganz Frankreich.

Sie haben das Medikamentenmonopol für rezeptpflichtige Produkte. Auch in den Segmenten Hygiene, Schönheit und Dermokosmetik hatten die Apotheken gegenüber den Parapharmazien einen Marktanteil von 78% (Los Echos, 2017).

Vorteile sind die unübertroffene Anzahl an flächendeckenden Verkaufsstellen, ihre Kundenbindung über rezeptpflichtige Medikamente und das Erschließen neuer Verkaufsfelder, wie die Verbreitung von Handelsmarken (Private Label Brands) in den Bereichen Hygiene und Dermokosmetik.

Online Handel

Obwohl der Online Handel in Frankreich seit 2012 erlaubt ist, haben bisher nur 2,3% der Apotheker eine Online-Lizenz. Nur 1% der OTC-Medikamente werden über den Online Handel verkauft. In Deutschland sind es 14%. Allerdings schließen sich immer mehr Apotheker den aufkommenden Online-Plattform-Unternehmen an, über die OTC-Medikamente verkauft werden. Die Produkte werden allerdings nicht von diesen Online-Unternehmen ausgeliefert, sondern über die einzelnen Partner-Apotheken. Oder der Kunde holt seine Produkte in diesen selbst ab.

Zu diesen Online-Plattformen zählen auch die Schweizer Firma „Zur Rose“, die Muttergesellschaft von DocMorris, die Anfang 2019 das französische Unternehmen Doctipharma mit 100 Partnerapotheken gekauft hat. Andere Online-Plattformen sind Pharma-Vie, die mit ca. 600 Vor-Ort-Apotheken zusammenarbeitet sowie die belgische Gruppe Pharmasimple, die die französische „1001 Pharmacies.com“ in der Vergangenheit kaufte.

Die Wettbewerbsbehörde ADLC hat sich vorgenommen, das Apothekensegment noch mehr zu reformieren.

So soll der Online-Handel dadurch angeheizt werden, indem das Arzneimittellager nicht mehr wie bisher eng an die Apotheke angebunden sein muss. Somit könnten sich ganz andere Apotheker-Gruppierungen in der Zukunft bilden.

Apotheken vs. Parapharmazien

Die bisher gültige Apothekenpflicht z.B. für OTC-Arzneimittel, die vom Arzt optional verschrieben werden können – bspw. für Erkältungsmittel oder Mittel gegen leichte Wunden, soll ebenfalls aufgeweicht werden und zukünftig in Parapharmazien abgegeben werden dürfen. Gelten soll dies auch für apothekenpflichtige ätherische Öle, Selbsttests und Medizintechnik wie Blutdruckmessgeräte.

Dafür sollen neue Verkaufsfelder für Apotheker erschlossen werden.

So dürfen seit Anfang 2019 Apotheker ihre Kunden impfen, z.B. „wiederholt“ gegen Grippe.

Darüber hinaus ist beabsichtigt, das Verbot eines Pharmazeuten, nur „eine“ Apotheke und Minderheitsbeteiligungen in einer geringen Zahl von Apotheken zu besitzen, aufzuhebeln und sogar Fremdinvestoren zuzulassen.

Parapharmazien als die Herausforderer für traditionelle Apotheker

In Frankreich gibt es keine klassischen Drogerie-Märkte wie dm oder Rossmann in Deutschland.

Foto: M. Klaas
Parapharmazie in Paris

Kosmetika und Dermokosmetika, Nahrungsergänzungsmittel und auch medizinisches Zubehör werden über Parapharmazien angeboten.

Der Gesamt-Umsatz dieser Gruppe in 2018 betrug etwa 3,2 Mrd. € (Statista, 2019). Das Marktvolumen wird prognostiziert in 2023 auf 4,2 Mrd. €.

Vorteile der Parapharmazien

Parapharmazien treten am Markt entweder als unabhängige Parapharmazie auf, z.B. die Nr. 1 Parashop mit 63 Geschäften in ganz Frankreich oder in Warenhaus-/ Supermarktketten, wie Monoprix, Carrefour, Auchan, Hypermarché Géant oder Leclerc, die alle über ein sehr großes Filialnetz verfügen. 

Die Gruppe der Parapharmazien werden zukünftig durch die vom ADLC (Autorité de la Concurrence ) beabsichtigten Veränderungen des Apothekensegments immens an Bedeutung gewinnen. Insbesondere sollen auch Medizinprodukte vermehrt über diesen Kanal vertrieben werden dürfen.

Zusammenfassend bleibt nun abzuwarten, wann die Änderungen greifen. Auf jeden Fall sollten Medizintechnikunternehmen mit dem Fokus Frankreich nun schon geeignete Vertriebspartner suchen. Wie immer gilt: Wer sich zuerst platziert hat, „macht“ den Markt. Wir helfen Ihnen! Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Autor: Maria Klaas, Klaas consulting

please see also „Efficiency increase of the strategic distribution of medical devices in Europe for SMEs“